Interview mit Peter Pächnatz – Geschäftsführung BeP

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Im neusten Interview unterhielten wir uns mit der Geschäftsführung von BeP Peter Pächnatz.

Interview-heute.de: Herr Pächnatz, Sie sind seit über 24 Jahren in der Personalarbeit tätig, davon 14 Jahre in leitenden Positionen in Unternehmen. Seit 10 Jahren leiten Sie eine Beratungsgruppe von Vertriebs- und Personalprofis. Was sind aus Ihrer Sicht, neue Entwicklungen auf dem Markt der Personal- und Vertriebsarbeit?

Peter Pächnatz: Das Zeitalter der Ressourcenverschwendung ist in jeder Hinsicht zu Ende. Auf Dauer werden nur noch die Unternehmen im globalen Wettbewerb Sieger sein, die es insbesondere schaffen, die Potentiale ihrer Kunden,  Führungskräfte und Mitarbeiter zu entfalten. Dabei können neue Erkenntnisse der Neuowissenschaft helfen.

Interview-heute.de: Was sind für Unternehmen und Organisationen neue Erkenntnisse der Neurowissenschaften, die sich direkt für eine Potentialentfaltung in Unternehmen und Organisationen nutzen lassen?

Peter Pächnatz: Zwei Erkenntnisse sind wichtig. Da ist zum einen die Neuroplastizität. Unter Neuroplastizität versteht die die Neurowissenschaft die enorme Lernfähigkeit unseres Gehirns bis ins hohe Alter. Unser Gehirn ist das, was wir tun. Es bildet sich aus oder nicht. Je nachdem wie wir es nutzen. Es bildet sich zurück, dort wo wir es nicht nutzen. Use it or loose it ist das Funktionsprinzip unseres Gehirns. Unser Gehirn ist ein Phänomen: Je mehr drin ist, umso mehr passt rein. Je weniger drin ist, umso weniger passt rein.

Interview-heute.de: Was bedeutet das konkret für die Unternehmen?

Peter Pächnatz: Das Unternehmen immer mehr junge Menschen mit Lernbehinderungen und Ausbildungsunfähigkeiten bekommen und zwar dort, wo diese Menschen in ihrer Kindheit und Jugend überwiegend in der Welt von Multiedial unterwegs sind. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass diese Menschen wenig Selbstkontrolle, geringe Aufmerksamkeitsspannen und über wenig soziale Kompetenzen verfügen, wie sie in Gruppen oder der Zusammenarbeit auf andere wirken. Alles wichtige Fähigkeiten, die Unternehmen für das Lernen brauchen.
Der zweite Nutzen liegt darin, dass ältere Menschen anders lernen als jüngere und dass es hier kein besser oder schlechter gibt. Junge Menschen können sich schneller und besser Inhalte merken, während ältere Menschen Inhalte besser einordnen können, wenn sie über ein umfangreiches Erfahrungswissen verfügen.
Der dritte Nutzen ist, dass die Entwicklung im Fachwissen nichts zu tun hat mit der Entwicklung sozialer Kompentenzen. Dafür benutzt das Gehirn nämlich unterschiedliche Bereiche und Funktionsprinzipien. Diese Erkenntnis wird in unseren Aus- und Weiterbildungssystemen überhaupt nicht berücksichtigt. Wenn wir in der Führung überwiegend kognitive Mastschweine mit emotionalem und sozialem Analphbetismus haben, dann ist diese Art von Führung eine Potentialvernichtung in Unternehmen.

Interview-heute.de: Sie sprachen oben von zwei Erkenntnissen. Was ist die zweite wichtige Erkenntnis der Neurowissenschaft?

Peter Pächnatz: Unser empathisches Gehirn. Unter diesem Begriff versteht die Neurowissenschaft, dass wir durch und durch emotionale und soziale Wesen sind. Es gibt und gab keinen Homo oeconomicus oder rational handelnden Menschen, wie es die Betriebswirtschaft und die Aufklärung unterstellte. Wir handeln überwiegend aus sozialen und emotionalen Motiven. Das ist mittlerweise gut erforscht. Für Unternehmen  und Organisationen hat dies erhebliche Konsequenzen auf allen Feldern. Hier nur zwei Beispiele:
Für nachhaltiges Lernen spielt die Vorbildfunktion der Führungskräfte eine entscheidende Rolle, weil sonst die menschlichen Empathieneuronen Lernwiderstand erzeugen. Die nachhaltigsten Lernerfahrungen sammelt unser Gehirn im jungen Alter über Vorbilder. Und diese Lernerfahrung will es wiederholen. Wer als als Unternehmensleitung glaubt, er können ohne Vorbildfunktion führen, entfaltet kein Potential, sondern vernichtet es.
Ein zweite Konsequenz ist: Wertschöpfung fängt mit Wertschätzung an. Unternehmen die meinen, sie können immer noch Kunden oder Mitarbeiter dazu mißbrauchen, sich selbst oder andere reich zu machen und wenn Unternehmen meinen, ihr Vertrieb oder ihre Führung brauche das doch nur so zu verpacken, dass der Kunde oder die Mitarbeiter die Schleifspuren des Über-den-Tisch-Ziehens als Netzwärme empfinden,  anstatt authentisch auf die Kunden- und Mitarbeiterbedürfnisse zu achten, der hat auf Dauer keine Zukunft mehr als Unternehmen. Das Empathiesystem des Kunden und Mitarbeiter lässt sich nur einmal betrügen. Danach entsteht nur noch grundlegendes Misstrauen, also Ressourcenvernichtung.
Wie gesagt: In Zukunft geht es bei Strafe des eigenen Untergangs um Potentialentfaltung.

Interview-heute.de: Danke, Herr Pächnatz, dass sie die Zeit für uns und das Interview gefunden haben.