Interview mit Torsten Hornung – Oberbürgermeister-Kandidat in Wiesbaden

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Thorsten Hornung - Oberbürgermeister-Kandidat in WiesbadenGimmeFive: Torsten Hornung!

Ein Interview mit 5 Fragen an einen Oberbürgermeister-Kandidaten, der außerhalb des politischen Establishments entstammt und mit viel persönlichem Idealismus zur OB Wahl von Wiesbaden angetreten ist, um jetzt am Sonntag den 24.02.2013 gewählt zu werden. Seine Antworten: Mit einer für Politiker ungewöhnlichen Offenheit, auf den Punkt klar machen, was stört und sofort geändert werden muss.

 

Interview-heute: Herr Hornung, was passiert, wenn Sie bei der Wahl am Sonntag 10% der Stimmen erhalten?

Wenn es nach den Themen oder auch vielen Zusprüchen der Wiesbadener geht, könnten eigentlich noch viel mehr Stimmen drin sein. Kaum einer will eine Stadtbahn und auch beim Stadtmuseum sind entsprechend nur die Wenigsten zu begeistern. Diese Position vertrete ich, im Gegensatz zu allen anderen klar zu 100%. Aber, ob 10% oder auch weniger. Die Partei DieMitte sowie auch meine Person sind in Wiesbaden präsent und wir werden in den kommenden Jahren die Zeit haben, uns über die aktuellen Themen von heute weiterzuentwickeln, unsere Positionierung zu präzisieren und einmal mehr zu etablieren. Da bin ich mir sicher. Dennoch werde ich mich in bereits aktuelle Themen, also unabhängig von Wahlergebnissen, weiter engagieren. Beispielsweise das Thema Schulsanierung. Wer sich einmal von einem Schüler, wie ich erst kürzlich die Erfahrung machte, Toiletten und Klassenzimmer zeigen lassen musste, die einer Stadt wie Wiesbaden alles andere als würdig erscheinen, der weiß, dass es keinen Grund gibt, auf den anvisierten Sanierungszeitpunkt 2020 zu warten. Eine bedauerliche Perspektive, die in dieser Stadt als Ende des Sanierungsstaus nebst Prioritätenliste deklariert wird. Bis dato erwartet man aber von unseren Eltern und Schülern sich mit den Gegebenheiten abzufinden. Nicht mit mir. Dass meine Kandidatenkollegen sich hier nicht flexibel zeigen und hier lieber ihren kostspieligen „Luxus-Themen“ wie Stadtbahn & Co frönen, kann und will ich nicht verstehen. Ich weiß, wofür das Geld wahrlich notwendiger ist, alles andere möchte ich den Wiesbadenern nicht zumuten.

 

Interview-heute: Kann ein Torsten Hornung eigentlich von heute auf morgen den Job im Rathaus übernehmen? Was glauben Sie wären hier die relevanten Kompetenzen?

Jederzeit. OB sein ist kein Hexenwerk, sondern eine Kombination aus Fleiß, Durchsetzungswille und Kompetenz. Man muss bissig und heiß sein. Sein Herzblut gerne einsetzen, um beispielsweise sich auch innerhalb der Stadtverordnetenversammlung immer wieder im Sinne seiner Bürger durchzusetzen. Denn hier werden die Dinge entschieden und genau hier ist die Stärke eines OBs gefragt. Und genau hier würde ich als erstes die aktuellen Koalitionen in Frage stellen. Devise: Sind wir noch in der Spur oder entfernen wir uns von den Themen unserer Bürger? Just in diesem Moment müssten die Stadtverordneten auch mal raus an die Front, z.B. in die eben erwähnten Schulen, um dann inspiriert durch den Ob zu erkennen, dass hier sofort Handlungsbedarf notwendig ist und nicht erst in sieben Jahren. Wer dabei nicht mitzieht, sollte reflektieren, dass auch die Stadtverordnetenversammlung gewählt wird. Da denke ich, ergeben sich einige Motivationen, das Bürgerbegehren mal wieder im Bedarfsfall der Echtzeit wahrzunehmen. Und es soll mir keiner mit wirtschaftlichen Bedenken kommen. In der Not gibt es immer einen Weg und glauben sie mir, in Wiesbaden dergleichen viele. Als schuldenfreier Unternehmer mit Mitarbeiterverantwortung, weiß ich, wo die Prioritäten liegen. Und die heißen Luxus leistet man sich dann, wenn man sich Luxus leisten kann. Bis dato haben wir wirkliche Probleme und Anforderungen zu lösen.

 

Interview-heute: Sie haben mittlerweile die anderen, bereits politisch etablierten Spitzenkandidaten kennengelernt, sprechen aber auch von einem „Kuschelkurs“ untereinander. Wie wird hier gekuschelt und wie weit sind Sie davon entfernt, mitzumachen?

Ich selbst bin deshalb weit davon entfernt. Ich bin mit meiner Partei DieMitte ein Newcomer. Das bedeutet: Ich bin mit Idealen angetreten, die praktisch, lösungsorientiert und hart am Thema des Bürgers verhandeln sollen. Und ich glaube, dass ich zum richtigen Zeitpunkt erscheine. Denn das besagte „Kuscheln“ von Rot, Schwarz und auch Grün ist in beeindruckender Form systematisch und erinnert stark an Besitzstandwahrung. Dort wo man ist, fühlt man sich wohl. Position, Machtzustände nebst die dazu absichernden Strukturen zu erhalten ist als stilles Gut der aktuellen Politik wahrnehmbar. Zudem gibt es eigentlich kaum Unterschiede in den parteilichen Profilen.  Die Überschriften wirken klassisch, fade und vermeintlich neue Ideen sind alles andere als visionär. Nicht mal im Wahlkampf gilt eine „Narrenfreiheit“, sich von anderen Kontrahenten unterscheiden zu wollen, sich gegenseitig mit harten Bandagen zu bekämpfen. Nein. Man will keinen verärgern, weil man weiß, dass etwaig stille Vereinbarungen aus den Koalitionsprozessen der Vergangenheit auch weiterhin gelten bzw. nicht gefährdet werden sollen. Pfründe, Zustände und Status sind somit gesichert. Da bewegt sich in Wiesbaden wenig. Und glauben Sie mir, ich würde hier sehr gerne etwas bewegen.

 

Interview-heute: Glauben Sie, dass die Stadtbahn ein entscheidendes Thema im Wahlkampf sein wird und dass uns die anderen Kandidaten nicht offen damit umgehen, speziell, wie sie nach der Wahl damit verfahren?

Unter uns: Der Bürger will sie nicht. Sie wollen sie vielleicht auch nicht. Und ich will sie schon gar nicht. Sie ist eine unserer Luxusthemen, die wir mit erschreckenden Investitionssummen für und in unserer Stadt diskutieren. Nice to know. Aber keineswegs need to know! Und jetzt die alles entscheidende Frage: Warum gibt es hier drei Parteien mit Politikern, die sich immer wieder mehr oder weniger dafür stark machen, obwohl Sie wissen, dass ein solches Projekt seitens der Bürger kein Mandat findet. Ich habe bis heute keine Antwort darauf gefunden. Selbst ein Herr Dr. Müller, der ja beim Forum des Wiesbadener Kuriers eine Absage verlauten ließ, erscheint mir keineswegs so verbindlich. Da spielt wieder dieser „Kuschel-Faktor“ eine Rolle. Hier bin ich außen vor. Und wenn sich der Bürger wirklich in diesem Punkt sicher fühlen möchte, dann muss er mich wählen. Ich stehe für die klare Absage in diesem Punkt.

 

Interview-heute: Haben Sie ein Gefühl dafür, ob Ihre Themen aktuell im Wahlkampf greifen? Wie reagieren die Wiesbadener auf Sie, was sind dabei Ihre Trümpfe, die Sie von den anderen Kandidaten unterscheiden?

Mich erreichen täglich Mails, Faxe und Briefe von Bürgern, die mir ihr Anliegen aber auch ihren Zuspruch mitteilen. Ich habe sie mir übrigens für den Wahlkampf zwecks Motivation an die Wände meines Arbeitszimmers gehängt. So weiß ich, dass ich in meinem Wahlkampf authentisch, ehrlich und mit Kompetenz rüber komme. Mein Idealismus wird richtig verstanden. Wiesbaden weiß, dass ich nicht dem politischen Establishment entspringe, sondern direkt aus dem Lager eines Bürgers und Unternehmers. Mein Weg ist direkt. Probleme und Umstände werden sofort angegangen, weil ich Unerträglichkeiten wie z.B. das Schulthema, nicht akzeptieren kann. Diese Haltung wird von den Wiesbadenern positiv aufgenommen. Selbst die Menschen aus den Vororten kommen Samstag an unseren Wahlstand in der Stadt, um mir mitzuteilen, dass ich ihre Wertschätzung habe und von ihnen gewählt werde. Das ist klasse. Ob das alles insgesamt reicht, weiß ich nicht. Es hängt letztendlich auch von der Wahlbeteiligung ab. Insgesamt sehe ich aber, dass es im Grunde genommen heute keine Politikverdrossenheit gibt, sondern eher eine Parteiverdrossenheit, weil sich ihre Repräsentanten zu weit von den Themen entfernt haben. Analog einer Parallelwelt, die nahezu unbekümmert neben sich her lebt und ab und zu mal hinüber grüßt, wenn mal wieder etwas im Argen liegt und die Wahrheit rund um die Realität nicht umgangen werden kann. Das kann nicht sein. Ein solch parteiliches Establishment ist für mich wenig konstruktiv und mit Blick auf den Kuschelkurs in unserer Stadt, alles andere als förderlich. Die anstehenden Aufgaben und Problemlösungen Wiesbadens, kann man nur meistern, wenn man gewählter OB seine Bürger hinter sich spürt, weil man sie alle ernst nimmt und ihnen das Gefühl vermittelt, mit ihrer Stimme Teil eines Umsetzungsprozesses zu sein. Überhaupt glaube ich, dass der Bürger noch mehr kann. Vor allem die Wahrheit vertragen, wie es um Kosten, Belastungen und auch Pflichten steht. Ich glaube zudem, dass der Bürger auch bereit ist, mit großer Lust sich hier und da an politischen Prozessen zu beteiligen – Motto: 15 Minuten Politik die Woche. Vielleicht auch inklusive aktivem Mitgestalten. Ein flüssige Demokratie, die schon von den Piraten grundinspiriert wurde und meiner Ansicht nach nicht falsch ist. Mit Blick auf die heutigen Kommunikations-Möglichkeiten rund ums Internet, sehe ich sowieso das Amt des Oberbürgermeisters von Wiesbaden deutlich flexibler, offener und alles andere als mit dem Prädikat „Pfründe sichernd“ behaftet. Ich hätte viel Spaß daran, hier für den Bürger mehr rauszuholen.

 

Hinter GimmeFive steht Andreas Rolle, Redakteur von www.marketing-kompass.de sowie News-Autor für diverse Social-Media & Web-Projekte. Im Fokus: interessante Persönlichkeiten, attraktive Hintergründe zu gegenwärtigen Themen, denen man mit 5 Fragen und 5 Antworten auf den Grund geht.